Projektreise April 2017

Projektreise Sermathang und Langtang April 2017

Zwei Jahre nach den Erdbeben in Nepal

 

„Namaste, Tashi Delek“, so begannen seit Weihnachten die E-mails mit unseren Partnern in Nepal zur Vorbereitung der Projektreise im April. Aber E-mails können nicht den unmittelbaren Kontakt vor Ort ersetzen und so waren wir gespannt, was uns diesmal im Erdbebengebiet erwartet.

Wir, das Team Dr.Friedrich Feurer (Allgemeinarzt), Helga Feurer (Pharmazeutin) und Dr. Rainer Claußnitzer (Chirurg), landen bei sommerlichen Temperaturen in Kathmandu und werden herzlich von Pema und ihrem Team im Kathmandu View Hotel mit Blumenketten und Katas empfangen.

Unser Zeitplan ist äußerst straff und so haben wir Arbeitstreffen mit Tashi von HEAL (Health, Education, Agricultur, Livelihood), Dani und Steffen von LiScha und Karma von der Kailash Bodhi Secondary Boarding School zur Planung kommender Aktivitäten im Sommer und Herbst 2017 und in den nächsten Jahren.

Gleichzeitig gilt es, unser reichliches medizinisches Material zu sortieren und für die Fahrt nach Helambu – Sermathang zu packen.

Pünktlich acht Uhr am Morgen starten wir in einem Allradjeep mit Tashi in Richtung Sermathang, in KTM im stop and go Modus des bekannten Verkehrschaos!! Die Straßenverhältnisse haben sich seit den Erdbeben deutlich durch Erdrutsche und Überschwemmungen während der Monsunzeiten verschlechtert, sodass ohne Allrad manche Strecke schwer zu meistern wäre.

Nach Überwindung des ca. 1800 m Pass geht es hinab nach Melamchi (870 m) am Indrawati Nadi- Fluss. Viele Häuser sind zerstört oder abgerissen und eine enorme

Bautätigkeit ist neben den Notunterkünften aus Wellblech im Gang.

Wir treffen uns mit Dr. Pasang, Tashi’s Bruder, der in Melamchi in einem kleinen Hospital als Arzt arbeitet und seinem Freund Dansing, ebenfalls Arzt. Beide werden mit uns nach Sermathang fahren und uns als Übersetzer helfen. Dr. Pasang zeigt uns sein kleines Hospital, welches für nepalische Verhältnisse gut ausgerüstet ist.

Weiter geht die Fahrt hinauf in die Berge nach Sermatang (2590 m) in engen Serpentinen, wobei der Motor heiß läuft und erst einmal mit Wasser gekühlt werden muss.

Viele zerstörte Häuser und Notunterkünfte säumen die Piste hinauf nach Sermathang. Am Spätnachmittag erreichen wir den Ort, der fast vollständig von den Erdbeben zerstört wurde.

In einem erhaltenen Guesthouse bekommen wir Quartier. Holländische NGO’s haben den neuen Health Post (Hyolmo Palri Health Center) etwa 30 Minuten vor Sermathang neben dem Palri Padma Odsal Ling –Tempel erbaut und ausgerüstet, d.h. drei Räume sind nutzbar, während sich alle anderen geplanten Bauten noch im Aufbau befinden.

Im Dezember 2016 war die feierliche Einweihung des Health Center und Übergabe an die Community.

 

 

In den folgenden Tagen halten wir Sprechstunden für die Bevölkerung ab und schulen Personal und Bevölkerung in Erster Hilfe, Hygiene und Disaster Management.

 

Helga nimmt sich der Apotheke an und strukturiert das gesamte Lager.

Nebenbei hält sie die Brillensprechstunde ab und passt den Leuten Lese- und Sonnenbrillen an, die uns gespendet wurden und von Optik Möller in Reutlingen ausgemessen wurden.

 

An den Abenden sind wir in den Notunterkünften zum Dhaal Bhaat und Gedankenaustausch eingeladen und sind immer wieder von der Herzlichkeit beeindruckt.

Wir diskutieren mit Tashi und Dr. Pasang die Situation in Sermathang und die Möglichkeiten der Unterstützung. Wichtig ist, dass eine stabile Wasserversorgung für den Health Post geschaffen wird, damit ein PAUL sinnvoll installiert werden kann. Die personelle Ausstattung muss baldigst geregelt werden, damit eine dauerhafte Versorgung der umliegenden Dörfer gewährleistet ist. Das ist nicht leicht bei den ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen.

Beim Abschied von Sermathang bitten uns die Leute, sie nicht zu vergessen….

 

 

Zurück in Kathmandu hat unser Freund Ranjit von Multiadventure schon für den nächsten Tag den Jeep und Träger für die Langtang Tour organisiert. Gabi, Adolf und Judith von Nepali Rotznäschen sind schon einige Tage vor uns mit einem PAUL im Gepäck nach Langtang aufgebrochen. Wir starten in der Frühe mit unserem Jeep und es ist wieder eine wilde Fahrt auf abenteuerlichen Pisten zum Tadi Khola und weiter bis Bidur.

Auf der Serpentinenstrecke nach Dhunche müssen wir zweimal anhalten, weil unseren jungen Trägern das reichliche Dhaaal Bhaat aus dem Magen fällt und wir den Jeep erst reinigen müssen, bevor es weiter bis Syaphrubesi (1500m ) geht, was wir am Nachmittag erreichen. Der Ort ist schwer vom Erdbeben gezeichnet.

Am nächsten Morgen steigen wir mit unseren Portern Shyam, Nitesh und Biwash entlang des Langtang Khola im Langtal auf, vorbei an den teils zerstörten Lodges in einer beeindruckend schönen Landschaft.

 

Am zweiten Tag erreichen wir den ehemaligen Ort Langtang, der unter einer 50 Meter hohen Geröllschicht begraben ist. Ein riesiger Friedhof – und es ist unvorstellbar, wie in wenigen Minuten die Katastrophe über die Menschen hereinbrach.

 

Am Nachmittag erreichen wir die Nima Lodge in Mundo (3500m), die mit Unterstützung von Gabi und Adolf Nill erbaut worden ist.

Herzlicher Empfang und sofort besuchen wir den nahen Health Post, der erst am 27.März 2017 eröffnet wurde und aus einem leeren Raum mit einem Regal besteht.

Wir besprechen mit der health workerin, dass wir eine Soforthilfe in Auftrag geben. Untersuchungsliege und Tisch werden in den nächsten Tagen von unserem Lodgewirt gezimmert. Dank der Spendengelder, die wir bei uns haben, kann die Arbeit sofort beginnen.

Des Weiteren übergeben wir medizinisches Material.

Den PAUL (Portabel Aqua Unit for Life) können wir auch in Betrieb nehmen und die Leute schulen. Damit kann das gesamte Dorf Mundo mit Trinkwasser versorgt werden.

Zurück in Kathmandu waren die letzten zwei Tage mit Besprechungen und Auswertung der Visite in Helambu und einem Treffen mit unserem Freund Tsedar von HNFF, der das Hatiya Projekt im oberen Aruntal leitet, ausgefüllt. Im November werden wir wieder mit einem Medizinerteam in Hatiya sein und unsere Arbeit vom letzten Jahr fortsetzen.

So ist nach der Reise vor der Reise…….Wir kommen wieder.

Die Kommentare wurden geschlossen