Beerdigung am Fluss und Gebete für den Weltfrieden

nepal0190Es regnet.
Das ist gut. So setzt sich der Staub ein bisschen, man kann leichter atmen und wir werden heute sicherlich weniger Menschen mit Mundschutz sehen. Das, was die Menschen vor Mund und Nase tragen, ist modisch angepasst und trägt Markennamen und ist von Adidas. Mönche, die wir unterwegs gesehen haben, trugen die Masken in Orange, passend zu ihren Kleidern.

Morgen ist Losar, das buddhistische Neujahrsfest. Gefeiert wird mit der ganzen Familie. Dabei wird gesungen, Musik gemacht und die Lamas, die Mönche, tanzen. Wir sind eingeladen als Teil der Familie bei der Schwester unserer Gastgeberin Pema mitzufeiern.

Bildung bedeutet bessere Chancen

Pema leitet das Hotel, in dem wir untergebracht sind. Sie hat auch eine Schule aufgebaut und die Ngima Foundation hier in Nepal gegründet, die mit vielen kleineren und größeren deutschen Organisationen zusammenarbeitet. „Ngima“-Foundation heißt der Verein nach ihrem verstorbenen Ehemann. Auch der war sehr aktiv und hat sich dafür eingesetzt, dass die Kinder hier zur Schule gehen können. Mehr Bildung bedeutet bessere Chancen, aus der Armut herauszukommen. Die Mitarbeiter des Hotels haben hier im Haus regelmäßig Deutschunterricht. Englisch kann hier jeder, der in die Schule geht. Der Unterricht beginnt im Kindergarten.

In 3400 Metern Höhe zu Hause

Pemas Schwester kümmert sich um die Kinder, ihre eigenen, Pemas Kinder und Gastkinder aus SOS-Kinderdörfern, denen die Organisation hier ebenfalls den Schulbesuch ermöglicht hat. Gestern ist auch Pemas Bruder hier im Hotel angekommen. Genau wie seine Schwestern kümmert er sich ebenfalls mit um die Schützlinge der Hilfsorganisationen. Er ist Bergsteiger und begleitet Expeditionen auf den Himalaya und ist in einem tibetischen Kloster groß geworden. Dort hat er fließend deutsch und englisch sprechen gelernt. Gestern Abend hat er eine Menge erzählt. Er ist in den Bergen auf 3400 Metern geboren und aufgewachsen. Die Eltern hatten Ziegen, Schafe, Yaks. Die Steuern haben sie in Butter gezahlt. Genau wie früher bei uns haben die Menschen dort einen Teil ihrer Erträge dem Staat abgegeben. Im Winter sei die Familie weiter hoch gegangen. Der Schnee rutscht immer bergab und so fänden die Tiere dort eher etwas zu Fressen als in tieferen Lagen, wo sich der Schnee dann sammelt.
Im Himalaya in dem Dorf von Pemas Familie wird auch Salz abgebaut. Damit kann man im Tal Dinge für den täglichen Gebrauch einkaufen.

Schulranzen und warme Jacken für die Kinder in den Sherpa-Dörfern

Gestern Abend haben wir entschieden, wir kaufen von dem Geld, das wir mitgebracht haben, Schulranzen und warme Jacken für die Kinder in den Sherpa-Dörfern. Sobald unsere Koffer da sind, fliegen wir mit unseren Geschenken hin.
Ich bin froh und dankbar für alles, was meine BNI-Kollegen mir mitgegeben haben. Es ist alles genau das, was die Menschen hier und in den Bergen brauchen.

Gestern haben wir uns die Räume angeschaut, wo Judith ab September für ein Jahr leben und arbeiten wird. Pema hat ihr dort ein kleines Büro eingerichtet und Ordner für jedes einzelne der Patenkinder angelegt. Judith wird den Kontakt zu den Kindern halten, zur Schule, Zeugnisse kontrollieren, Fotos machen und den Pateneltern regelmäßig Infos über ihre Schützlinge schicken.

In dem kleinen Häuschen war außerdem noch ein kleines Zimmerchen, das mit Matratzenlagern ausgelegt war. Wer da schläft, wollte ich wissen. „Wenn die Kinder Angst beim Erdbeben haben, kommen sie hierher“, erzählte Pema

Die Hindu beerdigen ihre Toten am Fluss

Der Weg zu Pemas Schwester geht über den Fluss. Dort beerdigen die Hindu ihre Toten. Sie feiern am Ufer, während der Mensch, der gestorben ist, dort auch gleich verbrannt wird. Wir sind dort vorbeigekommen, als dort ein großes Feuer brannte. Wir vermuteten, dass dort gerade eine Beerdigung stattfand. Die Asche wird dann dem Fluss übergeben. Der Fluss, das Wasser, ist für die Hindu heilig, das Göttliche. Für die Buddhisten sind es die Berge.

Der heilige Fluss riecht nicht gut. Müll schwimmt darin, Abfälle, dem Geruch nach zu urteilen, sicher auch Fäkalien. Kaum vorstellbar, dass die Menschen dort im Sommer baden.

Für die Buddhisten ist der Berg das Göttliche

Zu dem Kloster auf dem Affenberg führen unendlich viele Treppen. Unterwegs dorthin begleiten uns jede Menge Paviane, die dort leben. Hier oben ist auch viel vom Erdbeben zerstört worden. Gebäudeteile, Wohnhäuser der Mönche sind abgebrochen und vom Berg gefallen.
Trotzdem ist die Gedenkstätte immer noch beeindruckend. Es gibt einen Brunnen, in den man Münzen für den Weltfrieden wirft und einen Raum, in dem Kerzen für die Flüchtlinge der Welt angezündet werden. Man dreht Gebetsmühlen, um damit Glück für die Welt zu erbitten. Der Ort hat mich berührt.

Das Abendessen gab es bei Pemas Schwester auf der Terrasse. Von dort aus kann man das ganze Katmandu-Tal überblicken. Von weitem haben wir die bunten Lichter einer Hochzeit gesehen.

„Happy Losar“

Die Zeit vor Losar ist wie bei uns die Vorweihnachtszeit. Es gibt verschiedene Rituale an verschiedenen Tagen. So hat Pemas Schwester gestern Abend für uns eine Suppe gekocht, die man traditionell genau an diesem Tag isst. Die Kinder haben Zettel für eine Art Glückskekse vorbereitet.
Jeder von uns bekam einen. Auf den meisten stand einfach „Happy Losar“. Auf einigen war ein kleiner Hinweis auf das Schicksal im nächsten Jahr. Auf meinem Zettel stand „Religion Person. Wow, I appreciate you, keep it up. Move on.”

Heute Mittag wollen wir zum Flughafen. Ich bin gespannt, ob unser Gepäck inzwischen da ist.

(zur größeren Ansicht klicken Sie bitte auf die Fotos)

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